Hochnebel in der Rhön - eine Analyse

Eine Untersuchung des Hochnebel-Phänomens in der Rhön.

 

Hochnebel liegt im Sinntal, gesehen vom Kreuzberg.

Herbst- und Winterzeit ist Hochnebelzeit.
Grauer Nebel legt sich über das Land und deckt die Täler zu.
Für viele Menschen sind das graue, triste Tage ohne Sonnenlicht.
Doch in den Höhenlagen der Rhön zeichnet sich oft ein ganz anderes Bild ab:
Hier gibt es Sonnenschein satt, oft von tiefblauem Himmel und dem Betrachter zu Füßen liegt ein wallendes, waberndes Nebelmeer, das die Rhöner Kuppen dynamisch umspült.

Hochnebel

Am häufigsten entsteht Hochnebel im Herbst, wenn sich feuchte Luft über Nacht stark abkühlt.
Hochnebelfelder können das ganze Land überziehen und bleiben oft auf einem bestimmten Höhenniveau.

Je nachdem, wo die Obergrenze des Hochnebels liegt, können die Alpen oder manche Mittelgebirge aus dem Nebel herausragen und profitieren dann von wärmeren Temperaturen als das Land darunter im kalten Hochnebel.

In der Rhön wird der Hochnebel meist mit dem Ostwind herangetragen.
Dann strandet das Nebelmeer entweder an der Barriere oder überrennt diese, wenn die Höhe ausreichend ist.

Das führt zu typischen Phänomenen in der Rhön.

Der Blick reicht vom Arnsberg über die Lange Rhön zum Heidelstein
Das Nebelmeer liegt östlich vor der Rhön

Der Rhön - Hauptkamm, gebildet von der Langen Rhön und der Dammersfeldgruppe, richtet sich von Nord-Ost nach Süd-West aus.
Diese Gebirgskette, die auch die Wasserscheide Rhein-Weser bildet, trennt die Bayerische Rhön von der Hessischen.
So zeichnet sich bei Ostwind oft immer das selbe Bild ab:
Die Bayerische Rhön wird mehr oder weniger geflutet, während im Hessischen Teil die Sonne lacht.

Blick vom Eierhauck zum Dammersfeld
Das Nebelmeer strandet vor der Langen Rhön
Die Rother Kuppe wird zur Halbinsel im Nebelmeer
Über dem Schwarzen Moor mit Blick nach Nordosten.

Ab ca. 850m Nebelobergrenze wird auch die Lange Rhön vom Nebel überzogen. Dabei ist es auch von der Windstärke abhängig, ob höhere Gipfel dann auch vom Nebel überwallt werden.
Meist kann man von der 950 m hohen Wasserkuppe dieses Phänomen am besten beobachten.
Der Hauptgebirgskamm liegt vor dem Betrachter, die markanten Kuppen von Dammersfeld, Eierhauck oder dem Steinkopf auf der Langen Rhön sowie die beiden Sendeanlagen von Heidelstein und Kreuzberg sind oft noch gut auszumachen.

Der Nebel überzieht die Lange Rhön und gelangt am Steinkopf vorbei ins Ulstertal.
Der Steinkopf, vom Nebel umzingelt
Der Kreuzbergsender und die Nebelwalze, die nach Hessen strömt

Den Passverbindungen, die über den Rhön-Hauptkamm führen, kommt nun eine besondere Bedeutung zu.
Da sie natürliche Einschnitte bilden, gelangt der Nebel hier oft zuerst auf die andere Seite.

So kann man vom Simmelsberg aus besondes eindrucksvoll erleben, wie der Nebel durch den Paß an der Schwedenschanze (730 m ü. NN) strömt und an Rodenbach vorbei ins Tal fließt. Ist die Sonne im Herbst noch  kräftig, kommt es hier dann oft zur Nebelauflösung.

 

Hochnebel kommt von der Schwedenschanze her und fließt nach Hessen
Blick zum Dammersfeld, die vom Nebel erfassten Bereiche sind vom Reif gezeichnet

Parallel zum Hauptkamm der Rhön erstrecken sich die Schwarzen Berge und die Kreuzberggruppe, die mit ihrer Höhe dazu führen, dass das Obere Sinntal, welches dazwischen liegt, oft eine Sonderstellung genießt.

Damit hier Nebel hineingelangen kann, muss entweder die Passverbindung des Guckaspasses (670m ü.NN) oder die Linie Hochzeitsküppel - Arnsberg (ca. 650m) überwältigt werden. Ab ca. 700 m Hochnebelobergrenze überläuft der Nebel auch den Kreuzbergsattel.

Hochnebel zieht über den Guckaspaß ins Obere Sinntal hinein.
Der Hochnebel umspült den Arnsberg. Hinten der Simmelsberg.
Guckaspaß überrant: Blick vom Feuerberg auf das Obere Sinntal.
Blick aus den Schwarzen Bergen ins Obere Sinntal. Hinten das Dammersfeld.
Das Sinntal mit Hochnebel geflutet.

Ein interessanter Effekt in der Hochnebelküche ist der Lee-Effekt von Gebirgen.
Dabei bilden sich im Windschatten der Berge oft Bereiche, die nebelfrei bleiben.
Wenn der Wind aus Nordost kommt, bleibt beispielsweise die Gegend rund um Bad Brückenau im Windschatten der Schwarzen Berge oft verschont, während die Nebel weiter südwestlich wieder zusammenlaufen.

Die Gleichberge mit Lee-Effekt auf der Windschatten-Seite

Fallen die Temperaturen zudem noch unter Null, setzt sich überall Reif an.
Dabei gilt, dass der Reif sich immer an der windzugewandten Seite anbaut.
Das kann mitunter beachtlichen Rauhreifanhang geben.
So brach beispielsweise Anfang Dezember 2014 eine der Hexenbuchen am Himmeldunk durch den massiven Raueisbehang auseinander, während man im Tal unterhalb der Frostgrenze nichts von der üppigen Raureiflandschaft ahnte, die die Gipfel überzog.

Eine der Hexenbuchen mit Raueisbehang, ein Starkast ist bereits abgebrochen.
Rauhreifbehang am Kreuzberg, Dezember 2014

Hochnebeltage gehen oft mit Inversionswetterlagen mit sehr guter Fernsicht einher.
Die benachbarten Mittelgebirge rücken so näher ins Blickfeld.

Nach Osten hin liegt der Thüringer Wald im Blickfeld, ideal von der Langen Rhön oder der Hohen Geba zu sehen.
Der Dolmar ist dann die einzige Erhebung dazwischen, die hoch genug ist, um manchmal herauszuschauen.

Der Dolmar schaut aus dem Nebel heraus.
Blick von der Hohen Geba zum Thüringer Wald, davor der Dolmar.
Der Gipfel der Hohen Geba, beinahe überwallt vom Hochnebel
Der Heidelstein/ Schwabenhimmel vor den beiden Gleichbergen
Schneeberg im Fichtelgebirge meets Steinkopf/ Rhön!
Blick von der Wasserkuppe nach Norden

Auch auf die Nacht hat der Hochnebel so seine Auswirkungen.
Zum einen schwächt der Hochnebel die Lichtverschmutzung durch Städte und Dörfer ab, was besonders intensive, dunkle Sternenhimmel ermöglicht, zum anderen bekommt die Nebeloberfläche dadurch farbige Lichtkleckse ab - eine ganz besondere Stimmung.
(--> Rhönglühen)

Kreuzberg, bei Nacht und Nebel. Die Lichter kommen von den Ortschaften im Sinntal.
Monduntergang auf der Wasserkuppe
Blick von der Wasserkuppe über den Weiherberg.